Maria Kalesnikava

Maria Kalesnikava 2020-08 Heute, am 04.08.2021 beginnt der Prozess gegen Maria Kalesnikava. Kalesnikava ist die selbstgewählte Transkription des weißrussischen Namens, auf Russisch heißt sie Мария Александровна Колесникова / Marija Alexandrowna Kolesnikowa. Aufmerksam wurde ich auf sie erstmalig im Sommer 2020 als ich im Fernsehen Bilder von den großangelegten Demonstrationen in Minsk gegen die mutmaßlich gefälschte Wiederwahl von Lukaschenko sah. Videoaufnahmen zeigten eine fröhlich singende Frau mit kurzen blond gefärbten Haaren, die den Protestzug mit anführte.

Nasrin Sotudeh

HeuteLibérez Nasrin Sotoudeh!-cut findet im Iran die Präsidentenwahl statt. Es stehen nur Kandidaten zur Wahl, die vom Wächterrat akzeptiert wurden, sodass die Menschen nicht wirklich über eine politische Richtung entscheiden können. Ich nehme dieses Ereignis zum Anlass, über Nasrin Sotudeh (نسرین ستوده) zu berichten, eine Juristin, die wegen ihres gesellschaftlichen Engagements im Gefängnis sitzt.

Sotudeh wurde als Frauenrechtsaktivistin bekannt. Als Rechtsanwältin vertrat sie insbesondere Oppositionelle aus der Grünen Bewegung und zum Tode verurteilte Minderjährige. Wegen ihres Engagements war Sotoudeh selbst mehrere Jahre inhaftiert. Ich machte zum ersten Mal ihre „Bekanntschaft“, als ich Jafar Panahis Film Taxi Teheran aus dem Jahre 2015 sah. Sotudeh tritt in diesem Film als Fahrgast in Panahis „Taxi“ auf und erzählt Panahi von dem gegen sie beantragten Berufsverbot.

Am 13. Juni 2018 wurde Nasrin Sotudeh ohne ihr Wissen in Abwesenheit zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt und erneut verhaftet. Vor ihrer erneuten Verurteilung arbeitete Nasrin Sotoudeh an der Verteidigung zwei junger Frauen, die öffentlich gegen das per Gesetz erzwungene Tragen des Kopftuches protestierten und daraufhin inhaftiert worden waren. Nasrin Sotudeh befindet sich seitdem im Evin-Gefängnis in Teheran. Am 6. März 2019 wurde Sotudeh zu 33 Jahren Haft und 148 Peitschenschlägen verurteilt. (Wikipedia)

Sotudeh wurde mit einer Reihe internationaler Ehrungen bedacht, zuletzt erhielt sie am 3. Dezember 2020 – zusammen mit drei weiteren Preisträgern den alternativen Friedensnobelpreis (Right Livelihood Award).

In der deutschen Öffentlichkeit hat es in den letzten Monaten geradezu inflationär Auftritte von Personen gegeben, die für sich das Recht auf Widerstand in Anspruch nehmen. Es kommt mir fast so vor, als gehöre es mittlerweile zum Standardinventar der Eitlen, der Geltungsbedürftigen und der Wahnhaften, sich als politisch verfolgt darzustellen. Ich habe mir vorgenommen, ab jetzt in Abständen an Menschen zu erinnern, die tatsächlich wegen ihres Eintretens für Menschenrechte und Demokratie Verfolgung erleiden müssen.


https://www.tagesschau.de/ausland/asien/iran-wahlen-kandidaten-stimmung-101.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Nasrin_Sotudeh

 

Hier noch ein Beitrag über eine weitere mutige Menschenrechtsaktivistin:

Frauenrechtlerin: Narges Mohammadi

 

Völkermord

Der „Herero-Aufstand“

Herero chainedJetzt, im Mai 2021, ist es offiziell: Die Bundesregierung erkennt den Völkermord an den Herero und Nama in der Zeit von 1904 – 1908  im heutigen Namibia als Völkermord an. Deutschland und seine diversen Regierungen und Regime haben das Thema weit über 100 Jahre vor sich hergeschoben. In meinem Gedächtnis klingt die Sprachregelung nach, die für diese Gräueltaten in Westdeutschland galt: „Herero-Aufstand“. Völkermord weiterlesen

Pandemie – ein Rückblick

Es wird alles besser

Die Feigheit der Regierenden

Ich bin pandemiemüde. Viele Menschen sind pandemiemüde. In den letzten Monaten habe ich inständig auf einen harten Lockdown gesetzt, in der Hoffnung, dass dies der Auftakt zu einer Normalisierung der Lebensverhältnisse sein möge. Diese Hoffnung hat die Schar der deutschen Provinzfürsten regelmäßig durchkreuzt. Stattdessen hat man die Bevölkerung mit einer endlosen Abfolge zielloser und halbherziger Maßnahmen zermürbt. Kaum jemand hatte noch einen Überblick über die geltenden Regeln.  Irgendwann wird man in Berlin einmal ein Denkmal für die Opfer des Föderalismus errichten. Vielleicht waren die Regierenden auch einfach feige und haben vor den Lobbys gekuscht. Möglicherweise waren sie darüber hinaus auch vom Protest der Straße eingeschüchtert. Pandemie – ein Rückblick weiterlesen

Wir sind Wissenschaftler. Holt uns hier raus

Hoch geschult und hoch peinlich

Nach der Aktion #allesdichtmachen ist pünktlich zum Fest des Heiligen Geistes eine weitere Gruppe aus der Blase der Superprivilegierten an die Öffentlichkeit getreten: wissenschaft4#allesdichtmachen. In einer Presseerklärung heißt es: „Für jede Demokratie muss es ein mehr als schrilles Warnsignal sein, wenn nicht frei gedacht, gesprochen und geschrieben werden darf.“ Wovon ist hier die Rede? Belarus? Myanmar? Worauf sollen wir das Adjektiv „schrill“ beziehen? :-\  Manche der Beiträge sind in einem etwas ruhigeren, betont vernünftigen Ton gehalten, während andere wiederum vollkommen trallala sind („linke Gesinnungsdiktatur“).

Jana aus Kassel ihre Schwester

Eine Tante aus dem Kreise der besorgten Wissenschaffenden outet sich als die Schwester von Jana aus Kassel. Sie zieht aber keine Parallele zu Sophie Scholl oder Anne Frank, sondern zu Giordano Bruno. Der war ja auch Wissenschaftler. Da muss ich Tante sehr enttäuschen: Ich drohe ihr nicht mit Verbrennung. Ich habe aber auch keine Lust auf noch mehr Fremdschämen. Es bereitet mir große Pein, mitzuerleben, wie Hochschullehrende und andere Gelehrte sich bemühen, ein abstoßendes, menschenverachtendes Machwerk zu imitieren, von dem selbst viele Befürworter zugeben, dass es misslungen ist.

Ich beschränke mich darauf, Jana ihrer Schwester ein kleines Ständchen zu bringen:

Und hier, statt eines Shitstorms, noch ein Ständchen für die Onkelz und Tanten von der erlesenen Gesellschaft (On leur montre not‘ cul et nos bonnes manières):

Nachtrag: Ich habe mir noch weitere Beiträge auf der Playlist angeschaut. Es ist eine Wunderkammer für Voyeure. Zu was für Verzweiflungstaten Menschen bereit sind, um in eine Talkshow eingeladen zu werden! Aber so wird das nichts. Mein Tipp: Versucht es beim nächsten Mal mit Boris Palmer. Oder mit dem Wendler.

Meine Cancel Culture

Raus aus meinem Wohnzimmer!

Am 23. April 2021 wurde eine Website mit dem Titel „allesdichtmachen“ veröffentlicht, die kurze Videoclips von über 50 Schauspielern präsentierte; die Seite nahm Bezug auf die aktuelle Coronapolitik der Regierung(en) und die Darstellung in den Medien. In einem Tonfall, der satirisch wirken sollte, sprechen die Darsteller Statements aus, die an bekannte Narrative der rechten Szene und der „Querdenker“ anschließen und den Kampf gegen die Pandemie ins Lächerliche ziehen.  In äffenden Posen werden vulnerable Menschen, die sich zu schützen versuchen, als dämliche Untertanen verspottet. In dem markantesten Clip dieses „Kunstwerks“ ist zu sehen, wie der Schauspieler Richy Müller parodierend abwechselnd in zwei verschiedene Plastiktüren ein- und ausatmet. Meine Cancel Culture weiterlesen

Vegan for Shit

Ein (fast) neues Gesicht in der Szene

Bei den sogenannten Hygiene-Demos gegen die Maßnahmen der Behörden zur Pandemiebekämpfung in der Corona-Krise traten viele seit Jahren einschlägig bekannte Protagonisten der Verschwörungstheoretiker-Szene auf. An vorderster Stelle gesellte sich jetzt aber ein Prominenter hinzu, den man bisher vor allem als Autor von Vegan-Kochbüchern kannte: Attila Hildmann. Attila Hildmann kocht auf dem Veggie Street Day Dortmund 2010-08-14 (bearbeitet) Ich will es nicht unternehmen, hier Hildmann zu zitieren. Mit einer einfachen Google-Suche kann man eine Unmenge an Statements auffinden, die im Wesentlichen dem Prinzip folgen, dass die Bindekraft extremer Behauptungen für eine Gemeinde umso stärker ist, je unplausibler und wahnhafter diese sind. Ich weiß auch kaum etwas über Hildmanns Persönlichkeit und seine Biografie. Wie meine verstorbene Mutter sagte: „Da sieht man nicht dahinter.“

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Infodemie

Aufruf an die sozialen Medien

Wir haben es in diesem Moment allerdings nicht nur mit der COVID-19-Pandemie zu tun, sondern auch mit einer weltweiten “Infodemie”, bei der durch Fehlinformationen, die sich in den sozialen Medien viral verbreiten, auf der ganzen Welt Menschenleben gefährdet werden. 

Mit dieser Warnung wenden sich Ärzte und Virologen weltweit an Unternehmen wie Facebook und Twitter und fordern diese auf, stärker gegen Falschnachrichten vorzugehen.

Der vollständige Text des Aufrufs kann hier nachgelesen werden:
https://secure.avaaz.org/campaign/de/health_disinfo_letter/ (Deutsch)
https://secure.avaaz.org/campaign/en/health_disinfo_letter/?slideshow (Englisch)

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Adelung durch Herkunft

Ein Facebook für die Lebenden und die Toten

Vom TV-Moderator Ilja Richter wird berichtet, dass er auf den Versuch, ihn als schwul zu outen, berlinerisch-souverän reagiert habe mit den Worten: "Dit adelt".

Dezember 2019. Auf dem  privaten Nachrichtenkanal N-TV laufen täglich Werbespots für den DNA-Test-Anbieter MyHeritage.  Das israelische Startup lockt mit einem „DNA-Festtagsangebot“ von 38% Rabatt. Ihre DNA offenbart Ihr Large MyHeritage logoeinzigartiges Erbgut — die ethnischen Gruppen und geographischen Regionen, aus denen Sie stammen. Seitdem derartige Gentests für den Normalbürger bezahlbar wurden, erfreuen sich solche Angebote einer wachsenden Popularität, insbesondere im Zusammenhang mit Ahnenforschung.

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Incel

Mann oder Montur

Bild gruene Kampfmontur im Karneval
Karneval am Heumarkt

Heute sind mir im Kölner Straßenkarneval (11.11.2019) immer wieder Gruppen junger Männer in grünen Kampfmonturen aufgefallen. Verkleidungen, die den Uniformen von Soldaten, Polizisten und ähnlichen Berufsgruppen nachempfunden sind, gehören neben dem Clown, der Kuh, dem Matrosen und der Nonne zu den häufigsten Motiven. Incel weiterlesen