Framing öffentlich-rechtlich

MJK39817 Elisabeth Wehling (republica 17) crop„Politisches Framing. Wie eine Nation sich ihr Denken einredet – und daraus Politik macht“ – so lautet der Titel eines vielbeachteten Buches der Sprachwissenschaftlerin Elisabeth Wehling aus dem Jahre 2016. Als Framing bezeichnet man das Setzen eines Deutungsrahmens bei der Verwendung von Worten. Zum Beispiel ist mit „Steuerlast“ nicht nur die Höhe der Steuer bezeichnet, sondern es wird auch eine negative Bedeutung im Sinne von „Belastung, Niederdrücken“ mittransportiert.

Jetzt ist bekannt geworden, dass Wehling 2017 ein ARD-internes Gutachten als interne Diskussionsgrundlage z. B. für Workshops erstellt hat.  Ziel des „Framing Manuals“ war es,  allgemein in die Thematik „Framing“ einzuführen, die Wortwahl der Gegner der öffentlich-rechtlichen Sender zu beleuchten und Wege zu einer besseren Selbstdarstellung in der Debatte über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk vorzuschlagen.

Die Veröffentlichung des Dokuments hat große Empörung ausgelöst, nicht nur auf Seiten der politischen Rechten, sondern auch bei privaten Massenmedien. Auf der Webseite von n‑tv heißt es: Die ARD hat einen Skandal. Ein Geheimdossier wurde in Auftrag gegeben, um gezielt öffentliche Propaganda in eigener Sache zu betreiben und Konkurrenten öffentlich zu diffamieren. ARD-Generalsekretärin Dr. Susanne Pfab veröffentlichte daraufhin eine Klarstellung zur Zielsetzung der Workshops und des Dokuments: … lehne ich Begriffe wie „medienkapitalistische Heuschrecke“, „Profitzensur“ oder „ungezügelter Rundfunkkapitalismus“ für uns im Gebrauch der Sprache und der Bilder, die sie erzeugen, klar ab. In den vergangenen Jahren hat nach meiner Kenntnis nicht ein Vertreter der ARD jemals solche Bezeichnungen verwendet. Ich hielte das auch für unpassend.

Medienschaffende müssen sich mit der Wirkungsweise des „Framings“ auseinandersetzen. Dies gilt auch für die Selbstdarstellung der Öffentlich-Rechtlichen. Netzpolitik.org stellt treffend fest: Man kann nicht nicht framen. An der Bewusstmachung sprachlicher Wirkmechanismen ist also nichts auszusetzen. Dennoch bleibt ein Nachgeschmack: Wehlings Dokument mit Beispielen und Vorschlägen zur Wortwahl kann auch als Vorlage zu einer Sprachregelung verstanden und verwendet werden. Es ist das gute Recht der ARD, ihre Selbstdarstellung nach den Regeln neuester sprachwissenschaftlicher Erkenntnis zu gestalten. Ich finde aber, öffentlich-rechtliche Medien müssen dabei transparent vorgehen. Sie dürfen nicht geheim und manipulativ arbeiten, sondern müssen ihre Strategie bei der Wortwahl öffentlich begründen.


Zum Thema:

Wir veröffentlichen das Framing-Gutachten der ARD

https://cdn.netzpolitik.org/wp-upload/2019/02/framing_gutachten_ard.pdf

Wehling, Elisabeth: Politisches Framing. Wie eine Nation sich ihr Denken einredet – und daraus Politik macht, Köln 2016 (Herbert von Halem Verlag)

http://www.elisabethwehling.com/klarstellungzuraktuellendebatte

http://www.ard.de/home/die-ard/presse-kontakt/pressearchiv/Klarstellung_Was_hat_es_mit_dem_Framing_Manual_auf_sich_/5314070/index.html

http://www.spiegel.de/kultur/tv/ard-debatte-um-das-framing-manual-von-elisabeth-wehling-a-1253756.html