Was ist: Arisch

Erkenntnisse der Sprachwissenschaft

Lenguas indoiraniasHistorisch ist „Arier“ eine Selbstbezeichnung von Sprechern indoiranischer Sprachen, eines Zweiges der indogermanischen Sprachen. Der Name ایران Īrān bedeutet ‚Land der Arier‘. Eine in Europa gesprochene indoiranische („arische“) Sprache ist  Romanes, die Sprache der Roma. „Arisch“ ist ursprünglich eine Bezeichnung für sprachliche und soziale, nicht aber ethnische Zugehörigkeit.

Die Erfindung des „Ariertums“ im 19. Jahrhundert

Im 19. Jahrhundert wurden zunächst sprachwissenschaftlich motivierte Anschauungen zunehmend in ethnischem und rassischem Sinn umgedeutet oder in imaginierte Genealogien überführt. Die durch die Sprachwissenschaft erschlossene Verwandtschaft der indogermanischen Sprachen wurde im Sinn einer ethnischen Genealogie verstanden. So verbreitete sich die Ansicht, die hellhäutigen Europäer stammten von den „Ariern“ ab, die bei ihren Wanderungen als Kriegeradel einheimische Völker unterworfen und als „Kulturbringer“ gewirkt hätten (Wikipedia). Diese Theorien verdanken ihre Verbreitung Autoren wie Friedrich Max Müller, Arthur de Gobineau und Houston Stewart Chamberlain.

Das „Ariertum“ der Nazis

Le type aryenDas „Ariertum“ ist also keine Erfindung der Nationalsozialisten, wurde aber in radikalisierter Form zu einem wichtigen Bestandteil ihrer totalitären Ideologie. In den Vorstellungen der Nazis waren die „Arier“ blonde, blauäugige und großgewachsene „nordische“ Menschen – ungeachtet der Tatsache, dass gerade Hitler, Goebbels und Göring von der äußeren Erscheinung her exakt das Gegenteil darstellten. Letztlich diente der Begriff nur zur rassistisch begründeten Ausgrenzung von Menschen, in Deutschland vor allem der jüdischen Bevölkerung und der Roma (der eigentlichen „Arier“), mit dem Ziel ihrer späteren Vernichtung.

Neue Begriffe, alte Inhalte

Der Begriff „Arier“  als Bezeichnung der „weißen Rasse“ wird heute noch von den Aryan Nations in den USA oder von Neonazis im deutschsprachigen Raum verwendet. Die Neue Rechte meidet diesen Begriff jedoch. Zum einen, um nicht mit dem Holocaust in Zusammenhang gebracht zu werden, zum anderen, weil im Lichte heutiger Erkenntnis sowohl der Genetik als auch der Sprachwissenschaft ein Bestehen auf solchen erfundenen Mythen als peinlich empfunden werden müsste. Außerdem würden die heute möglichen Gentests mit Sicherheit viele Rassisten in große Verlegenheit bringen. Deshalb weicht die Rechte heute auf andere identitäre Narrative aus, die aber immer dem Prinzip folgen, dass sie eine behauptete biologische Herkunft und kulturelle Identität zueinander in Bezug zu setzen und daraus eine „Schicksalsgemeinschaft“ und höhere Bestimmung ableiten.


Zum Weiterlesen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Arier

https://www.derstandard.de/story/2000085464457/wo-wir-europaeer-genetisch-herkommen

Johannes Fried: https://www.zeit.de/2015/44/deutsche-abstammung-migration-geschichte-mittelalter-johannes-fried/komplettansicht

https://www.welt.de/politik/deutschland/article167245133/18-6-Millionen-Einwohner-mit-auslaendischen-Wurzeln-in-Deutschland.html

Nassim Nicholas Taleb: Genes vs. Languages, in: https://medium.com/incerto/the-most-intolerant-wins-the-dictatorship-of-the-small-minority-3f1f83ce4e15