Demonstrieren

 

16.09.2018

Die Initiative „Köln zeigt Haltung“ hat zu einer Demonstration gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus aufgerufen. Ich habe davon durch Zufall erfahren: Als ich gestern auf dem Weg zur Stadtbibliothek am Aushangkasten einer katholischen Kirchengemeinde vorbeikam, sah ich dort den Aufruf.

Die Auftaktkundgebung um 14:00 Uhr findet auf dem Roncalliplatz am Dom statt – dort, wo sich an anderen Sonntagen zu eben dieser Uhrzeit Pulse of Europe versammelt. Ich komme absichtlich etwas später, weil ich wenig Geduld aufbringe, um Reden zuzuhören. Der Platz ist voll, einige tausend Leute; darunter sieht man auch die blauen Fahnen und Luftballons der Proeuropäer. Ich habe ein blaues Fähnchen an meinem Rucksack befestigt.

Das Publikum wirkt sehr gemischt. Anfang der 80-er Jahre hatten Leute auf Demos, bei denen es meistens um Frieden und Umwelt ging, einen gewissen Look, ein soziokulturelles gewisses Etwas, das sie von der bürgerlichen Gesellschaft unterschied. Das kann ich hier nicht feststellen. Damals gab es viele, die reklamierten, „das System“ sei der Fehler und die an die Revolution glaubten. Ich habe keine Umfragen gemacht, aber ich würde wetten, dass die Leute, die hier versammelt sind, in der großen Mehrheit äußerst pragmatisch und säkular denken.

Zu meiner Erleichterung dauern die Redebeiträge nicht mehr lange. Es setzt sich ein ruhiger, gelassener Zug über den Alter Markt zum Heumarkt in Gang, wo die Abschlusskundgebung stattfindet. Keine sichtbare Polizeipräsenz. Keine Sprechchöre und Megafone. Das kommt mir sehr entgegen, denn ich habe in den letzten Jahren eine Abneigung gegen Geschrei entwickelt. Um mich herum ist das Gesumme, das entsteht, wenn viele Menschen sich lebhaft unterhalten. Am Heumarkt angekommen, beschließe ich, dass ich hinreichend meiner Pflicht als Bürger nachgekommen bin und trotte nach Hause. Der Kölner an sich verlässt nur ungern sein Veedel.

Auf der Demo wurde ein Flugblatt verteilt mit dem Slogan "Kein Veedel für Rassismus!" Die Idee, sich im Wohnumfeld mit ähnlich Denkenden zu vernetzen, finde ich sehr gut. 
Am folgenden Montag rufe ich also die Website auf und es erscheint ein Popup, das anbietet, einen Newsletter zu abonnieren. Ich trage mich ein und - es erscheint eine Seite mit einer Fehlernachricht. Ich denke, darüber sollten die Verantwortlichen Bescheid wissen. Deshalb schreibe ich eine E-Mail an die auf der Seite angegebene Kontaktadresse kontakt@kvfr.de. Die Mail ist nicht zustellbar: "Undelivered Mail Returned to Sender".
Im Impressum finde ich als "Verantwortlich für den Inhalt" das Büro von VVN-BdA Köln. Ich rufe auf der angegebenen Telefonnummer an und ich höre eine Ansage, dass die Nummer nicht existiert. Hier gibt es aber zumindest ein Kontaktformular, in das ich den Hinweis auf die Nichterreichbarkeit der Initiative eintrage und abschicke.
Da ich aber befürchte, dass auch diese Information ins Nirwana läuft, sehe ich die Liste der Unterstützer durch; von "SJD - Die Falken" weiß ich, dass sie ein zuverlässig besetztes Büro besitzen. Ich rufe dort an. Es meldet sich ein zögerlich, aber dann doch hilfsbereit wirkender junger Mann, der sich mein Anliegen anhört, meine Telefonnummer und E-Mail-Adresse notiert und verspricht, die Info an einen seiner Kontakte bei der Initiative weiterzugeben.
Als Bewohner dieser Stadt sind mir diese kölschen Momente allzu vertraut: Das gut Gemeinte strauchelt in der Organisation.

P.S.: Eine Woche später bekomme ich eine Antwortmail von VVN-BdA. Meine Nachricht konnte urlaubsbedingt nicht gelesen werden, wird jetzt aber weitergeleitet.
Einen Tag danach erhalte ich eine E-Mail von der Initiative "Köln zeigt Haltung". Meine Mail an kontakt@kvfr.de ist wohl ebenfalls angekommen und ich werde manuell dem Verteiler hinzugefügt. 
Noch ess Kölle nit verlore.